Was tun, wenn sich abgesicherte Fremdwährungspositionen in Volumen oder Zeitpunkt verschieben?

Ein Blick auf die aktuelle Aussenhandelsstatistik der Schweiz verdeutlicht die pandemiebedingten Effekte auf die Import- und Exportvolumina im Frühjahr 2020. Während sich das Niveau der Importe in CHF Mrd. in der Schweiz nach dem Einbruch im April im Verlauf des Monats Mai wieder leicht erholte, verharrten die Exporte auf ähnlich tiefem Niveau wie im Vormonat.

Insbesondere für international tätige Unternehmen kann die aktuelle Situation in zweierlei Hinsicht zu Problemen führen. Einerseits fehlt diesen Unternehmen durch den Einbruch der Exportnachfrage nun elementares Umsatzvolumen, und andererseits stehen allenfalls bereits abgeschlossene Absicherungsgeschäfte für Fremdwährungstransaktionen jetzt ohne Grundgeschäft da. Unternehmen, die ihre FX-Exposures absichern, sind somit einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt. Inwiefern sich dieses Risiko mithilfe dafür geeigneter Finanzinstrumente bewirtschaften lässt, wird in diesem Blog-Beitrag erläutert.

Abbildung 1: Aussenhandel der Schweiz (nominal) in CHF Mrd.

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Eidgenössische Zollverwaltung 2020.

Das Problem der verschobenen Lieferung

Es sei angenommen, dass ein CH-Unternehmen ursprünglich eine Auslieferung von Waren in die EU mit gleichzeitigem Zahlungseingang von EUR 100 auf einen bestimmten Termin erwartet hat. Um dieses Grundgeschäft abzusichern, hat das Unternehmen zu gegebenem Zeitpunkt einen einfachen Forward-Kontrakt (Terminverkauf) zu einem Kurs von EUR/CHF 1.05 abgeschlossen.

Im Verlauf des Geschäftsjahres stellt sich nun jedoch heraus, dass die Auslieferung der Ware erst später und nicht wie zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt erfolgen wird. Als Folge daraus verschiebt sich auch der Zahlungseingang von EUR 100 weiter in die Zukunft. Das zuvor zum Zweck der Währungsabsicherung eingegangene Termingeschäft ist nicht mehr im gewünschten Sinn wirksam. Vielmehr verwandelt sich der vereinbarte Forward-Kontrakt nun aufgrund des fehlenden Grundgeschäfts in eine Position mit unsicherem, d. h. eigentlich spekulativem Charakter. Denn zum ursprünglichen Liefertermin muss das Unternehmen seiner Verpflichtung aus dem eingegangenen Devisenforward trotzdem nachkommen und EUR 100 zu EUR/CHF 1.05 an die Gegenpartei liefern. Da es diese EUR 100 aus dem Grundgeschäft zum entsprechenden Zeitpunkt aufgrund des aufgeschobenen Grundgeschäftes noch nicht besitzt, muss der Betrag am Markt zum aktuellen Spot-Kurs erworben werden (liegt der Spot-Kurs über EUR/CHF 1.05, realisiert das Unternehmen einen Verlust, andernfalls einen Gewinn). Hinzu kommt die Tatsache, dass das aufgeschobene Grundgeschäft fortan ohne weitere Massnahme nicht mehr wie ursprünglich gewünscht abgesichert ist.

Devisenswap als Lösung

Mit einer einfachen Swap-Transaktion können beide durch die zeitliche Verschiebung entstandenen Probleme gleichzeitig gelöst werden. Ein Devisenswap besteht aus zwei zeitlich auseinanderliegenden, gegenläufigen Forward-Kontrakten (allenfalls aus einem Spot- und einem Forward-Kontrakt). Er setzt sich also stets aus zwei einzelnen Transaktionen («Legs») zusammen.

Abbildung 2: Verschiebung eines Devisentermingeschäfts mithilfe einer SWAP-Transaktion

Quelle: Eigene Darstellung.

Der Devisenswap wird so ausgestaltet, dass zum ursprünglichen Zahlungstermin ein betragsmässig identisches Gegengeschäft (Kauf von EUR 100) zum anfänglich abgeschlossenen Termingeschäft (Verkauf von EUR 100) eingegangen wird. Zum Zeitpunkt des ursprünglichen Liefertermins werden damit gleichzeitig EUR verkauft (ursprüngliches Forward-Geschäft) und gekauft (neues Swap-Geschäft), wodurch das Netto-EUR-Exposure schliesslich null beträgt.

Das zweite «Leg» des Devisenswaps muss im Anschluss dem Gegengeschäft (Verkauf von EUR 100) zum ersten «Leg» (Kauf von EUR 100) entsprechen. Dabei wird der Zahlungstermin des zweiten «Legs» so gewählt, dass dieser mit dem neuen erwarteten Zeitpunkt der Warenlieferung und der damit in Verbindung stehenden Zahlung in EUR zusammenfällt. Somit gleicht die zweite Swap-Transaktion in ihrer Art dem ursprünglichen, aber nun neu terminierten Absicherungsgeschäft. Das aufgeschobene Grundgeschäft kann dadurch wieder wirksam abgesichert werden.

Kaum Einfluss auf den Absicherungskurs

Der Devisenswap beeinflusst im Übrigen den durch den ursprünglichen Forward bestimmten Absicherungskurs des Grundgeschäfts nur im Rahmen der zusätzlichen Zinsdifferenz bezogen auf den Verschiebungszeitraum. Eine allfällige Veränderung des Wechselkursniveaus hat indes keinen Einfluss, denn im Devisenswap werden zum neuen Kursniveau zeitlich versetzt sowohl ein Kauf- als auch ein Verkaufsgeschäft im selben Umfang abgeschlossen. Der für den Absicherungskurs des Grundgeschäfts relevante Unterschied zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs (ohne Berücksichtigung zusätzlicher Transaktionskosten) besteht dabei nur aus der Zinsdifferenz bezogen auf diesen Zeitraum.