Erhöhte Anforderungen an das Währungsrisikomanagement

Seit dem Ausbruch der globalen COVID-19-Pandemie sind an den Finanzmärkten erhebliche Kursvolatilitäten beobachtbar. Die grosse Unsicherheit bezieht sich insbesondere auf die mögliche Dauer der Pandemie und die ökonomischen Folgen für die verschiedenen Branchen, Unternehmen und Staaten. Wie nachfolgende Abbildung zeigt, erhöhte sich auch die Unsicherheit am Devisenmarkt deutlich. So sind die Volatilitäten bei den Hauptwährungen zum Schweizer Franken in den letzten Monaten deutlich angestiegen. Vor dem Hintergrund dieser Krise kommt dem Währungsrisikomanagement im Rahmen der finanziellen Unternehmensführung eine zentrale Bedeutung zu.

Entwicklung der 3-Monats Volatilität (annualisiert) seit 1. Januar 2019

Quelle: Bloomberg.

Im Gegensatz zu allen anderen Währungspaaren hält sich die Volatilität EUR/CHF, gemessen als annualisierte Volatilität jeweils über 3 Monate, bislang auf nahezu unverändertem Niveau bei rund 3%. Dies ist insbesondere auf die Interventionen der Schweizerischen Nationalbank SNB zurückzuführen, welche eine weitere Stärkung des Schweizer Frankens im Vergleich zum EUR zu verhindern versucht. Die Sichtguthaben der SNB in EUR verzeichneten in den letzten Wochen den stärksten Anstieg seit März 2017. Die Volatilität der übrigen gezeigten Währungspaare hat seit März 2020 deutlich zugenommen. So stieg beispielsweise die Volatilität USD/CHF auf den höchsten Wert seit knapp 7 Jahren.

Viele Unternehmen verzeichnen in der aktuellen Situation erhebliche Umsatz- und Gewinneinbussen. Verluste aufgrund ungünstiger Währungsentwicklungen können eine zusätzliche Belastung für die Liquiditäts- und Gewinnsituation darstellen. Ein auf das Geschäftsmodell ausgerichtetes Währungsrisikomanagement erhöht die ökonomische Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens gegenüber ungünstigen Währungseinflüssen und damit den unternehmerischen Handlungsspielraum.

Gerade in einer Krisensituation sollte der Ausgestaltung des Währungsrisikomanagements besondere Bedeutung beigemessen werden. Dabei erachten wir folgende drei Aspekte als zentral:

1.  Bestimmung der Risikotragfähigkeit

Die Risikotragfähigkeit eines Unternehmens in Bezug auf die Liquidität, die Eigenkapitalausstattung und die Verschuldungskapazität muss bekannt sein. In diesem Zusammenhang sind auch allfällige Covenants in Kreditverträgen und weitere finanzielle Restriktionen zu berücksichtigen. Dabei verlangt eine tiefe Risikotragfähigkeit nach einer Strategie, welche die umfassende und konsequente Absicherung der relevanten Gewinn- und Cashflow-Grössen gegen Währungseinflüsse vorsieht. Die Kriterien zur Beurteilung der Risikotragfähigkeit sowie die daraus abgeleiteten Zielsetzungen für das Währungsrisikomanagement sind im Rahmen einer FX-Policy zu regeln.

2. Erstellung rollierender und szenario-basierter Cashflow-Planungen

Gerade in Zeiten ausgeprägter Unsicherheiten müssen Planungen regelmässig kritisch hinterfragt, mögliche Entwicklungen neu beurteilt und verschiedene Szenarien analysiert werden. Ein dynamischer und effizienter Forecastingprozess bildet dazu die Grundlage. Basierend auf der rollierenden Cashflow-Planung sind die zukünftigen Zahlungsströme in Fremdwährung hinsichtlich Volumen und Zeitpunkt möglichst verlässlich zu quantifizieren.

3. Überprüfung der bestehenden Absicherungsstrategie

Die Absicherungsstrategie ist auf die definierten Zielsetzungen des Währungsrisikomanagements und auf die Risikotragfähigkeit auszurichten. Neben der Absicherungsquote sollten auch der Absicherungshorizont, der Absicherungszeitpunkt sowie die anzuwendenden Absicherungsinstrumente in einer FX-Policy definiert sein.

Basierend auf der aktuellen Cashflow-Planung sind bestehende FX-Absicherungen rollierend zu überprüfen und allenfalls neu zu kalibrieren. Gerade unmittelbare Umsatzeinbussen können signifikante Veränderungen bei den FX-Exposures zur Folge haben, wodurch bereits getätigte Absicherungen nicht mehr effektiv sind und sogar zu einer zusätzlichen Volatilität führen können. Die zunehmenden Volatilitäten an den Devisenmärkten im Zusammenhang mit COVID-19 machen deutlich, dass eine rollierende Ausgestaltung der FX-Absicherung einer statischen, einmal jährlich durchgeführten Budgetabsicherung klar vorzuziehen ist.

 

Ein auf das spezifische Unternehmen ausgerichtetes Währungsmanagement kann die Volatilität künftiger Zahlungsströme in Bezug auf Währungsschwankungen wirksam reduzieren und einen wichtigen Beitrag bei der Krisenbewältigung leisten.