5 Fragen an… René Walser Leiter Privat- und Geschäftskunden Region Ost der St.Galler Kantonalbank

Es ist unser Anspruch, den FX Dialog als Austauschplattform zu etablieren, welche Schweizer Firmen vom KMU bis zum Grossunternehmen zum Thema Währungsrisikomanagement zusammenbringt. Im Rahmen von „5 Fragen an…“ führen wir jeweils mit ausgewählten Personen Kurzinterviews rund um das Thema Währungsrisikomanagement. In der aktuellen Ausgabe stellten wir René Walser, Leiter Privat- und Geschäftskunden Region Ost der St.Galler Kantonalbank folgende fünf Fragen.

Herr Walser, seit 2008 sind Sie bei der St.Galler Kantonalbank als Leiter Privat- und Geschäftskunden Region Ost tätig und somit für das gesamte Marktgebiet zwischen Bodensee und Sarganserland inklusive 18 Niederlassungen verantwortlich.

 

Frage 1: Welchen Fremdwährungsrisiken sind Ihre Kunden in erster Linie ausgesetzt?

Insbesondere das Rheintal zeichnet sich als stark exportorientierte Industrie-Region aus. Viele kleinere, mittlere und auch grössere (börsenkotierte) Unternehmen, vornehmlich aus der MEM-Industrie, sind dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt und erbringen in diesem Umfeld Spitzenleistungen. Unsere Kunden sind sowohl als Exporteur direkten wie auch als Zulieferer indirekten Währungsrisiken ausgesetzt. Durch die hohe Exportorientierung dürften die direkten Währungsrisiken überwiegen. Entscheidend ist hier vor allem die Preissetzungsmacht. Je höher die Spezialisierung und Alleinstellung des Produktes, desto eher gelingt es einem Unternehmen, Preise durchzusetzen und somit das Währungsrisiko zu reduzieren.

 

Frage 2: Welche Bedeutung nimmt das Währungsrisikomanagement bei Ihren Kunden ein und wie beurteilen Sie die Qualität der Umsetzungen?

Spätestens seit der Euro-Krise 2015 wird dem Währungsrisikomanagement eine sehr hohe Bedeutung beigemessen. Dabei wurde der Fokus insbesondere auf natürliches Hedging und Weitergabe von Währungsrisiken gelegt. Auf jeden Fall ist das Risikobewusstsein seit diesem Zeitpunkt massiv angestiegen. Ein langfristig orientiertes, systematisches Währungsrisikomanagement, das auf einer klaren Absicherungsstrategie basiert, haben die wenigsten unserer KMU-Kunden umgesetzt. Hier sehe ich Handlungsbedarf. Die grossen Unternehmungen verfügen schon seit geraumer Zeit über ein professionelles Währungsrisikomanagement.

 

Frage 3: Wie und mit welchen Instrumenten setzen Ihre Kunden Währungsabsicherungen um?

Das Bemühen, die Währungsrisiken durch ein natürliches Hedging zu minimieren, ist sehr verbreitet und kommt wohl als erstes zur Anwendung. Dies wird durch unterschiedliche Massnahmen erreicht, z.B. vermehrter Zukauf von Material und Vorfabrikaten im entsprechenden Währungsraum bis hin zum Aufbau von eigenen Produktionskapazitäten im Ausland. Weiter werden Devisentermingeschäfte zur Erhöhung der Planungssicherheit und zur Margenabsicherung insbesondere bei Grossaufträgen und bei verbindlichen Preislisten eingesetzt.

 

Frage 4: Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für Ihre Kunden im Umgang mit Währungen?

Eine gezielte Währungsabsicherung setzt oftmals auch eine hohe Planbarkeit der zugrundeliegenden erwarteten Geldflüsse voraus. Gerade die aktuelle Corona-Krise lässt verzögerte Zahlungsflüsse aufgrund beschaffungsseitiger, logistischer oder personeller Engpässe erwarten. Ebenfalls muss bei gewissen Kunden das Bewusstsein geweckt werden, dass das Fehlen eines systematischen Währungsrisikomanagements weit mehr Spekulation ist, als – vermeintlich – der gezielte Einsatz von Absicherungsinstrumenten.

 

Frage 5: Welche Auswirkungen haben die jüngsten Entwicklungen rund um die Ausbreitung des Corona-Virus bei Ihren Kunden?

Auch wenn die Auswirkungen heute noch schwierig abschätzbar sind, haben wir aus diversen Gesprächen mit unseren Kunden den Eindruck gewonnen, dass kaum ein Kunde nicht vom Virus oder den getroffenen Massnahmen betroffen sein wird. Sei es durch direkte Effekte auf der Nachfrage- und Absatzseite (bspw. Gastronomie, Tourismus, Veranstaltungen), personalbedingt (krankheits- oder quarantänebedingte Absenzen) oder durch Beschaffungs- und Lieferverzögerungen (bspw. durch verspätete Abnahmen oder Inbetriebnahmen von Anlagen aufgrund von Reiserestriktionen sowie Einschränkungen bei Logistikdienstleistungen). Generell lässt sich festhalten, dass sich höhere Unsicherheit immer in Lagereffekten und gedrosselter Investitionstätigkeit niederschlägt. Ganz entscheidend wird hier sein, wie lange der Lockdown weltweit und hier in Europa anhält und mit welchen Massnahmen eine Normalisierung begleitet werden wird.