Umgang mit exotischen Währungsrisiken

Im Zuge der Globalisierung sind Geschäftsmodelle – nicht nur von grossen sondern auch von mittelständischen Unternehmen – immer internationaler ausgerichtet. Besondere Bedeutung kommt dabei den wachstumsstarken Schwellenmärkten zu, deren grosses Potential von Schweizer Unternehmen immer gezielter genutzt wird. Eine Erweiterung der Geschäftstätigkeit in solche Länder wie etwa Brasilien, China oder Indien ist aber auch mit ausgeprägten Risiken verbunden. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf eine aktive Steuerung der Währungsrisiken zu legen, da gerade die Währungskurse von Schwellenländern insbesondere gegenüber dem CHF oder dem USD erhebliche Schwankungen aufweisen.

Herausforderung im Zusammenhang mit dem Währungsrisikomanagement

Der Devisenmarkt ist eines der grössten und liquidesten Finanzmarktsegmente weltweit. Oftmals wird der Handel vieler Währungen indessen durch die jeweiligen Landesregierungen eingeschränkt. Dies mit dem Ziel, Wechselkurse zu stabilisieren oder allfällige Währungsspekulation zu verhindern (was dies bedeutet, haben wir bereits hier erklärt). In diesem Fall spricht man von Binnen- oder nicht frei konvertierbaren Währungen. Insbesondere in Schwellenländern, welche im Gegensatz zu Industrieländern einer höheren Unsicherheit hinsichtlich wirtschaftlicher und politischer Stabilität ausgesetzt sind, dienen Devisenrestriktionen dazu, den Wechselkurs künstlich zu stärken und dessen Volatilität tief zu halten. Für Unternehmen stellt die eingeschränkte Handelbarkeit solcher Währungen im Rahmen des Währungsrisikomanagements eine Herausforderung dar, da ein Exposure in entsprechender Lokalwährung nicht mit den bekannten Terminkontrakten wie Devisenforwards, Devisenswaps oder Devisenoptionen abgesichert werden kann.

Alternative Absicherungsmassnahmen notwendig

Eine mögliche Massnahme zur Reduktion des Währungsrisikos liegt darin, die Fakturierungswährung in der eigenen Funktionalwährung (z. B. CHF) zu vereinbaren. Durch diese Massnahme wird das Währungsrisiko an die Drittpartei transferiert. Dies ist aber oftmals nicht möglich (keine Verhandlungsmacht gegenüber dem Kunden, Kunde kann aufgrund Devisenknappheit lokale Währung nicht oder sehr eingeschränkt konvertieren) und kann im Falle einer Aufwertung der eigenen Funktionalwährung zu einem Wettbewerbsnachteil führen. Deshalb kommen bei nicht frei konvertierbaren Währungen insbesondere zwei Absicherungsmassnahmen zu Anwendung:

  1. Proxy Hedging

Beim Proxy Hedging geht man von der Annahme aus, dass die abzusichernde Währung des betreffenden Schwellenlands stark mit einer gut handelbaren Referenzwährung (z. B. USD) korreliert. Das abzusichernde Exposure in der nicht konvertierbaren Währung wird in ein äquivalentes Exposure der Referenzwährung transformiert, welches schliesslich mithilfe eines standardisierten Finanzinstruments (z. B. FX Forward) abgesichert werden kann. Die Effektivität eines Proxy Hedge hängt unmittelbar von der Korrelation der abzusichernden Binnenwährung mit der Referenzwährung ab. Doch auch im Falle einer erwartet hohen Korrelation können bei einer ausgeprägten Devisenknappheit aufgrund von Handelsrestriktionen plötzlich signifikante Wechselkurssprünge resultieren, die mit einem Proxy Hedge nicht erfasst werden können (vgl. dazu diesen Blog). Wir beurteilen daher den Einsatz von Proxy Hedges nur als bedingt sinnvoll, um exotische Währungen abzusichern. Wird diese Absicherungsmassnahme trotzdem eingesetzt, ist eine laufende kritische Beurteilung der Hedge-Effektivität unabdingbar.

  1. Einsatz von Non-Deliverable Forwards

Die Absicherung zukünftiger Transaktionen in nicht frei konvertierbaren Währungen erfolgt in der Praxis am häufigsten mit sogenannten Non-Deliverable Forwards (NDF). Konzeptionell bestehen Ähnlichkeiten zu einem klassischen Termingeschäft, mit dem wesentlichen Unterschied, dass keine Abrechnung des Grundgeschäfts in Lokalwährung erfolgt. Das Absicherungsgeschäft wird stattdessen in einer konvertierbaren Währung wie beispielsweise USD, EUR oder CHF abgewickelt, wobei NDF am häufigsten in USD abgeschlossen werden. Ein NDF lautet jeweils auf einen fest vereinbarten Betrag (in der nicht konvertierbaren Lokalwährung), mit vorab festgelegtem Fälligkeitsdatum und Terminkurs zur Referenzwährung. Bei Erreichen der Fälligkeit wird im Rahmen des NDF aber lediglich die Differenz zwischen vereinbartem Termin- und effektivem Tageskurs in der konvertierbaren Währung zwischen beiden Vertragsparteien abgerechnet. Im Gegensatz zum klassischen Termingeschäft wird der vereinbarte Betrag in der nicht konvertierbarer Lokalwährung nicht an die Vertragspartei geliefert oder von dieser gekauft. Die Transaktion findet in diesem Fall regulär am Spotmarkt statt, wie wenn es kein Absicherungsgeschäft gäbe. Das nachfolgende Beispiel soll die Funktionsweise eines NDF veranschaulichen:

Wie bei einem klassischen Termingeschäft lassen sich die „Absicherungskosten“ eines NDF auf die Zinsdifferenz zwischen den beiden Währungen zurückführen. Eine Risikoabsicherung für konvertierbare Währungen kann jedoch verhältnismässig höhere „Kosten“ verursachen, da in Schwellenländern oftmals ein deutlich höheres Zinsniveau im Vergleich zu Industrieländern zu beobachten ist.

 

Transaktionen in exotischen, nicht frei konvertierbaren Währungen stellen für Unternehmen im Rahmen des Währungsrisikomanagements eine zusätzliche Herausforderung dar. Insbesondere mit dem Einsatz von Non-Deliverable Forwards können aber auch solche Währungsrisiken effizient und zielgerichtet gesteuert werden. Wir empfehlen, die Bewirtschaftung dieser Risiken im Rahmen einer FX-Policy zu regeln und die verfügbaren Absicherungsmöglichkeiten im Sinne der im Währungsrisikomanagement definierten Zielsetzungen konsequent zu nutzen.