Die Liquiditätsplanung allein genügt nicht als Basis für Absicherungsgeschäfte

Im letzten Blogpost haben wir auf die Wichtigkeit einer systematischen Analyse des FX-Risikoprofils als Basis einer wirkungsvollen Absicherungsstrategie hingewiesen (zum Blog). In diesem Beitrag wollen wir uns nun noch etwas vertiefter mit der Quantifizierung des direkten FX-Exposures auseinandersetzen. Im Fokus steht dabei der Umstand, dass selbst bei dieser vermeintlich einfachen Aufgabe einige Stolpersteine drohen. Und dies selbst dann, wenn ein Unternehmen bereits über eine währungsdifferenzierte Liquiditätsplanung verfügt und darauf basierend die abzusichernden FX-Exposures ermittelt. Dies sei anhand von zwei Beispielen erläutert, bei denen es für das Währungsmanagement zusätzlich zur Liquiditätsplanung einer ökonomischen Interpretation der Cashflows bedarf.

Trennung von Projekt- und Massengeschäft

Ein exportorientiertes Schweizer Unternehmen (Umsatz in Fremdwährung, Produktionskosten in CHF) ist beispielsweise in verschiedenen Geschäftsbereichen tätig, wobei ein Bereich die Charakteristik eines Massengeschäfts (z. B. Kleinteile auf Basis von Preislisten), der andere Bereich die Charakteristik eines Projektgeschäfts aufweist (z. B. Maschinenbau auf Basis individueller Offerten und Projektpläne, 12 Monate Liefer- und Produktionsfrist). Das Unternehmen hat in der FX-Absicherungsstrategie festgehalten, dass Cashflows auf Basis der Liquiditätsplanung jeweils rollierend für die nächsten 6 Monate abzusichern sind.

In diesem Kontext sollten die zukünftigen Zahlungseingänge in Fremdwährung aus dem Projekt- und dem Massengeschäft nicht gemeinsam betrachtet werden, da sonst ein bestehender Maschinenauftrag erst in der Hälfte der Laufzeit (wenn er in der Liquiditätsplanung auftaucht) abgesichert wird, und zwar zu dem dann gültigen Wechselkurs. Dieser kann unter Umständen so tief sein, dass sogar eine negative Projekt-Marge resultiert. Besser wäre es, den Projektauftrag zum Zeitpunkt der Auftragserteilung und somit über die gesamte projektspezifische Laufzeit abzusichern. Wird dies so umgesetzt, müssen aber gleichzeitig die Projekt-Cashflows aus der Liquiditätsplanung als Grundlage für die 6 Monats-Absicherung des Massengeschäfts eliminiert werden.

Nicht abzusichernde Fremdwährungs-Cashflows

Ebenfalls oft zum Beobachten ist ein zweites Beispiel, welches wir bereits hier betrachtet haben: Ein Schweizer Unternehmen kauft in einem Fremdwährungsraum ein, produziert in der Schweiz (Kosten in CHF) und exportiert die Produkte wieder, wobei die Verkaufswährung der Schweizer Franken ist. Die Liquiditätsplanung zeigt nun als einzige Fremdwährungsposition den Einkauf in Fremdwährung, und es liegt der Schluss nahe, diese Position abzusichern. Dadurch verliert das Unternehmen aber die Flexibilität, die Absatzpreise in Schweizer Franken anzupassen, wenn sich der Fremdwährungskurs verändert. Ohne Absicherung könnte ein Rabatt gewährt werden, wenn der Schweizer Franken stärker wird, ohne dass die Marge darunter leidet (da man dann ja günstiger einkaufen kann). Mit der Absicherung wäre ein Rabatt nur zulasten der Marge möglich.

Fazit: Ökonomische Wirkungsweise verstehen

Als Fazit aus diesen Überlegungen lässt sich festhalten, dass trotz sorgfältiger Herleitung allfälliger Exposure-Zahlen deren ökonomische Bedeutung bei der Formulierung der effektiven währungsseitigen Absicherungsstrategie einbezogen werden muss. Ansonsten droht eine vermeintlich korrekte Absicherung im schlimmsten Fall das Gegenteil oder zumindest nicht gewollte ungünstige Effekte zu bewirken.