Das FX-Risikoprofil als Basis einer wirkungsvollen Absicherungsstrategie

Verschiedene Unsicherheitsfaktoren wie Handelskriege, Verlauf und Ausgang des Brexit, Zins- und geldpolitische Entscheide der Notenbanken sowie Rezessionsängste beeinflussen das aktuelle Marktgeschehen deutlich. All diese Unsicherheiten schlagen sich u. a. im volatilen Verlauf von Wechselkursen zwischen den verschiedenen Währungen nieder. Gerade in einem solchen Wirtschaftsumfeld ist ein wirkungsvolles Währungsrisikomanagement für Unternehmen, die aufgrund ihres Geschäftsmodells direkten und indirekten Währungsrisiken ausgesetzt sind, von zentraler Bedeutung.

Im Rahmen des Währungsrisikomanagements muss ein Unternehmen eine Absicherungsstrategie definieren, die auf sein spezifisches Geschäftsmodell ausgerichtet ist. Im heutigen Blog möchten wir auf die wesentliche Grundlage einer wirkungsvollen Absicherungsstrategie eingehen: die systematische Bestimmung und Analyse des FX-Risikoprofils. Dieses besteht im Wesentlichen aus drei Elementen:

Quantifizierung FX-Exposure

In einem ersten Schritt gilt es Transparenz zu den FX-Exposures eines Unternehmens zu schaffen. Zu unterscheiden ist zwischen direkten und indirekten FX-Exposures. Die direkten FX-Exposures ergeben sich aus den in Bilanz und Cashflow-Planung enthaltenen währungsseitigen Transaktions- und Translationsrisiken. Eine aussagekräftige Ermittlung der direkten FX-Exposures setzt eine verlässliche Cashflow-Planung sowie eine konsistente Datengrundlage voraus. Dabei sollte ein häufig zu beobachtender Fehler vermieden werden, dass nämlich die funktionalen Währungen von Tochtergesellschaften (buchhalterische Abschluss-Währungen) nicht korrekt berücksichtigt werden.

Im Rahmen einer gesamtheitlichen Erfassung der Währungsrisiken ist auch das indirekte FX-Exposure von grosser Bedeutung. Basierend auf dem Geschäftsmodell eines Unternehmens können entlang der Wertschöpfungskette (Beschaffung, Produktion, Absatz) indirekte Währungsrisiken „versteckt“ sein, die es zwingend zu berücksichtigen gilt. Dabei handelt es sich um Effekte, die sich währungsbedingt auf den Umsatz oder die Kosten auswirken können, ohne dass ein direktes FX-Exposure besteht. So hat beispielsweise ein Grosshändler in der Schweiz, der seine Ware im Inland in CHF verkauft, absatzseitig kein direktes FX-Exposure. Nun kann es aber sein, dass seine Kunden bei einer Aufwertung des CHF die gleiche Ware zu einem niedrigeren Preis im Ausland beziehen. Die Folge für den Schweizer Grosshändler ist ein währungsbedingter Rückgang im Umsatz, obwohl er nicht direkt gegenüber einer Fremdwährung exponiert ist. Unter Berücksichtigung der indirekten Währungsrisiken lässt sich die Steuerung der direkten FX-Exposures optimieren. So können beispielsweise direkte FX-Exposures bewusst nicht oder nur teilweise abgesichert werden, da entlang der Wertschöpfungskette indirekte, gegenläufige Effekte zu erwarten sind. Zudem lohnt es sich, über den Einsatz alternativer Absicherungsinstrumente als die üblichen Termingeschäfte nachzudenken.

Beurteilung Risikofähigkeit

Den langfristigen Trends von Wechselkursen können sich Unternehmen nicht entziehen. Vielmehr werden Geschäftsmodelle benötigt, welche auch unter Berücksichtigung der langfristig zu erwartenden Wechselkurs-Niveaus eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung ermöglichen. Mit einem wirkungsvollen Währungsrisikomanagement gewinnen Unternehmen aber kurz- bis mittelfristig Zeit und somit Handlungsspielraum, um allfällig notwendige Massnahmen zur Optimierung des Geschäftsmodells einleiten zu können. Ein erhöhter Handlungsspielraum ist insbesondere für diejenigen Unternehmen zentral, für die aufgrund tiefer Margen und/oder einer geringen Eigenkapitalausstattung hohe Volatilitäten im Ergebnis existenzbedrohend sein können. Bei der Bestimmung des FX-Risikoprofils wird die Risikofähigkeit mittels Stress-Szenarien und Sensitivitätsanalysen bezüglich der Wechselkurentwicklung(en) quantifiziert und beurteilt.

Beurteilung Risikobereitschaft

In Ergänzung zur Beurteilung der Risikofähigkeit gilt es bei der Bestimmung des FX-Risikoprofils die Risikobereitschaft eines Unternehmens zu berücksichtigen. Massgebend dafür ist in erster Linie der Risikoappetit der Anteilseigner, der idealerweise in Richtlinien und Weisungen (FX-Policy) konkretisiert ist.

 

Basierend auf einer umfassenden Analyse des FX-Risikoprofils eines Unternehmens können die zentralen Fragestellungen zur Bestimmung einer Absicherungsstrategie beantwortet werden:

  • Wie hoch ist mein FX-Risiko (direktes, indirektes FX-Exposure)?
  • Welches FX-Risiko kann ich tragen?
  • Welches FX-Risiko will ich tragen?

Ausgehend von der systematischen Beantwortung dieser Fragen lässt sich eine firmenspezifische Absicherungsstrategie ableiten und konkretisieren, welche wesentlich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen kann.