Emerging Markets verstehen am Beispiel Chinas

Trotz zunehmender Blockbildung in der wirtschaftlichen und politischen Welt bleibt die Schweizer Wirtschaft international breit vernetzt. Viele spezialisierte Unternehmen exportieren nicht nur in die Hauptmärkte in Europa und in den USA, sondern ebenfalls in Schwellenländer. Dabei sind sie bei diesen im Vergleich zu ihren Hauptmärkten währungstechnisch zusätzlicher Komplexität ausgeliefert. Dies betrifft namentlich eingeschränkte Handelbarkeit der Währung, mangelnde Absicherungsmöglichkeiten an den Finanzmärkten, politische Risiken und nicht zuletzt auch eine nicht unabhängige Währungspolitik dieser Länder.

Entsprechend sind Einschätzungen betreffend diese Währungen gerade für KMU besonders schwierig. Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang, einige Grundzusammenhänge vor Augen zu haben. Nützlich erscheint dabei das Framework des währungspolitischen «Trilemmas», das von drei Zielen einer Währungspolitik ausgeht, nämlich einem freien Kapitalverkehr, einer unabhängigen Geldpolitik und einem fixierten Wechselkurs. Das «Trilemma» besteht darin, dass sich nur zwei dieser drei Ziele wirksam verfolgen lassen, während das dritte nicht gleichzeitig erreichbar ist.

Die meisten westlichen Währungsräume wollen eine unabhängige Geldpolitik und einen freien Kapitalverkehr. Entsprechend muss sich der Wechselkurs aus dem Spiel der Marktkräfte ergeben. Auch die meisten Schwellenländer streben eine unabhängige Geldpolitik an. Zudem wird vielfach die Strategie eines gegenüber einer Hauptwährung (meist US-Dollar) fixierten Wechselkurses verfolgt. Daraus folgt aber auch, dass notwendigerweise kein freier Kapitalverkehr möglich ist. Bei gegebenem Zins führt dies vielfach zu einer geringen Nachfrage nach der Währung, als Folge eines überhöhten Wechselkurses. Entsprechend müssen diese Länder vielfach ein striktes Kapitalmarktregime ausüben. In solchen Fällen ist vielfach ein florierender Schwarzmarkt mit deutlich tieferen Preisen zu beobachten.

Solche Währungen können gegen aussen recht stabil erscheinen, wenn man den offiziellen Wechselkurs betrachtet.  Allerdings besteht die grosse Gefahr darin, dass die jeweilige Regierung diesen Kurs aufgrund von Devisenknappheit irgendwann nicht mehr aufrechterhalten kann. In solchen Fällen kommt es zu einer plötzlichen Abwertung der Währung, wie untenstehend am Beispiel des Äthiopischen Birrs gegenüber dem US Dollar illustriert wird.

Nicht immer ist die Situation indessen so klar wie in den obgenannten Ausführungen. Dies lässt sich etwa am Beispiel Chinas verdeutlichen. China verfolgte lange Zeit eine Strategie mit einer strikten Kapitalverkehrskontrolle. Nun wird aber klar die Strategie verfolgt, die chinesische Währung ebenfalls zu einer Weltwährung zu machen, was zwingend mit einem freien Kapitalverkehr einhergehen muss. Entsprechend muss sich China aus der ursprünglichen Ecke des währungspolitischen Trilemmas (fixierter Wechselkurs, unabhängige Geldpolitik bei eingeschränktem Kapitalverkehr) befreien. Dazu muss aber der fixierte Wechselkurs oder eine unabhängige Geldpolitik aufgegeben werden. Die Aufgabe der unabhängigen Geldpolitik ist aus Gründen der starken Verschuldung und der damit einhergehenden Unmöglichkeit von höheren Zinsen wohl kein Thema. Somit bleibt die Freigabe des Wechselkurses, wozu China aber aus wirtschaftspolitischen Überlegungen ebenfalls nicht gänzlich bereit ist. Dies führt währungspolitisch zu einer diffizilen Herausforderung, welche wir in einem aktuellen Artikel in «Die Volkswirtschaft» beleuchtet haben.

Unternehmen, die in Schwellenländern geschäftlich aktiv sind, sollten dem beschriebenen währungspolitischen «Trilemma» daher stets Beachtung schenken. Es hilft beim Verständnis der jeweiligen Währungssituation. Ein stabiler, weil fixierter Wechselkurs erscheint dabei nicht nur als positives Zeichen.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Währungen der Schwellenländer? Wir freuen uns auf den Dialog.