Manipuliert die EZB den Euro?

Mit Beginn der Präsidentschaft von Donald Trump hat dieser dem US-Handelsdefizit den Kampf angesagt. Für das Gesamtjahr 2017 betrug das US-Handelsbilanzdefizit (Güter und Dienstleistungen) USD 552 Mrd. Dies entspricht rund 3% des Bruttoinlandprodukts der USA. Einer der Gründe für das Handelsbilanzdefizit ist gemäss dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die durch den starken Dollar beeinträchtigte Wettbewerbsfähigkeit der Amerikaner. In diesem Zusammenhang attackiert er immer wieder die beiden grössten Handelspartner der USA – China sowie Europa – und bezichtigt sie der Manipulation ihrer Währungen zur Erlangung eines Wettbewerbsvorteils.

Entsprechen diese Behauptungen den Tatsachen?

China weist die Vorwürfe der Währungsmanipulation stets zurück. Die People’s Bank of China interveniere in den letzten Jahren direkt nur begrenzt auf dem Devisenmarkt. Demgegenüber bestreiten Ökonomen nicht, dass die Ankündigung und die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Einfluss auf den Wechselkurs EUR/USD hatten. Experten der EZB haben bestätigt, dass die massiven Anleihenkäufe der EZB den Wechselkurs EUR/USD kräftig drückten. Dabei wurde der Zeitraum zwischen September 2014 und Dezember 2016 untersucht. In diesem Zeitraum ist der Wechselkurs EUR/USD um rund 20% gesunken. Den Experten der Notenbank zufolge sind 12% des Wechselkursrückgangs auf die Quantitative Lockerung der EZB zurückzuführen.

Entsprechend liegt Donald Trump wohl nicht ganz falsch mit seinen Aussagen. Im Fokus der EZB stand indes nicht die Abwertung des Euros, sondern in Verfolgung ihres Mandats u.a. für Preisniveaustabilität zu sorgen. Dieses definiert sie als ein Wachstum des harmonisierten Verbraucherpreisindexes im Euro-Raum, das unter, aber nahe bei zwei Prozent pro Jahr liegen sollte. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Euro-Abwertung für die EZB ein angenehmer Nebeneffekt war. Nun wird die EZB ihr Anleihekaufprogramm per Dezember 2018 beenden, wodurch die „Währungsmanipulation“ ein Ende findet.