5 Fragen an … Thomas Stäubli, Head Group Treasury bei Rieter

Thomas Stäubli ist Head Group Treasury bei der Rieter Holding AG (Rieter). Im folgenden Interview gibt er uns spannende Einblicke in das Thema Währungsrisikomanagement bei einem grösseren Industrieunternehmen. Thomas Stäubli wird ebenfalls an unserer FX-Veranstaltung am 29. November 2018 als Podiumsteilnehmer dabei sein.

 

Frage 1: Rieter produziert und verkauft seine Produkte und Dienstleistungen in mehreren Ländern und ist entsprechend Währungsrisiken ausgesetzt. Wie geht Rieter damit um respektive welche Ziele verfolgt Rieter in Bezug auf das Währungsrisikomanagement?

Rieter ist mit 17 Produktionsstandorten weltweit vertreten und einer überschaubaren Anzahl an Fremdwährungen ausgesetzt. Dennoch resultiert eine komplexe Struktur von externen und internen Transaktionen, denn zwischen den Standorten sind alle erdenklichen Arten an Währungstransaktionen möglich, da so gut wie jede Gesellschaft mit jeder anderen Transaktionen abschliesst. Im Zusammenspiel der Varianten und des von Kunden gewünschten Lieferorts, Produktumfangs und der Transaktionswährung entsteht eine Vielzahl von möglichen Kombinationen an Finanz- und Materialflüssen, die zu berücksichtigen sind.

Basierend auf der vorangehend dargelegten Geschäftstätigkeit definierte Rieter schliesslich zwei übergeordnete Ziele, die sich auf den Umgang mit Fremdwährungstransaktionen beziehen. Sie dienen der Wertgenerierung für die Aktionäre und lauten:

  • Schutz der Marge und der Cashflows des operativen Geschäftes: Die erzielten Margen sowie die Cashflows sollen gesichert und vor Währungseinflüssen geschützt sein.
  • Reduktion der Ergebnisvolatilität: Die Währungseffekte sollen periodengerecht verbucht werden, was die Anwendung von Hedge Accounting erforderlich macht.

 

Frage 2: Wie erreicht Rieter die Ziele?

Damit Rieter die eingangs erwähnten Ziele erreichen kann, muss eine zuverlässige Datenbasis vorhanden sein. Ferner stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt die Datenqualität als Grundlage für eine Absicherung von zukünftigen Transaktionen als ausreichend eingestuft werden kann und ob mit der verfolgten Absicherungsstrategie die wertgenerierenden Ziele erreicht werden. Rieter hat im Jahr 2015 ein neues Konzept zur zielgerichteten Steuerung von Währungsrisiken erarbeitet, das seit 2016 erfolgreich im Einsatz ist. Zusammengefasst soll folgendes Absicherungsverhalten erreicht werden: Die zukünftig erwarteten Cashflows (In- und Outflows) aus Projekten, die aus dem Maschinengeschäft resultieren, werden zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung möglichst vollständig gesichert.

Die weiteren, nicht projektbezogenen Cashflows aus dem Maschinengeschäft sowie die Cashflows aus dem Komponenten- und After-Sales-Geschäft werden gemäss währungsdifferenzierter Liquiditätsplanung jeweils für die kommenden drei Monate rollierend abgesichert. Damit wird der Schutz der Marge und somit auch der zukünftig erwarteten Cashflows gewährleistet. Damit das zweite Ziel, die Reduktion der Ergebnisvolatilität, erreicht wird, hat Rieter als eines der ersten Unternehmen im Jahre 2016 den neuen Hedge Accounting Standard IFRS 9 eingeführt.

 

Frage 3: Was waren die grössten Herausforderungen in der Umsetzung?

Aufgrund des sehr kleinen Treasury-Teams wurde grosser Wert auf automatisierte Prozesse gelegt, damit das hohe zusätzliche Derivatvolumen in Kombination mit den zusätzlichen Anforderungen an Hedge Accounting bewältigt werden konnte. Das heisst konkret, dass die Datenerhebung, die Exposure-Berechnung und die daraus resultierenden Absicherungsvorschläge, der Devisenhandel und die Bewertung der offenen Derivate mit der anschliessenden Verbuchung vollautomatisch erfolgen müssen.

Eine weitere Herausforderung war, dass Rieter eines der ersten Unternehmen war, das den neuen IFRS 9 Hedge Accounting Standard angewendet hat. Zu diesem Zeitpunkt gab es praktisch keine Erfahrung in der Umsetzung und kein Software-Anbieter, der für uns in Frage gekommen wäre, verfügte über eine entsprechende Lösung. Ferner musste die Umsetzung innerhalb weniger Monate erfolgen.

 

Frage 4: Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Treasury?

Wir sind im Treasury stetig bestrebt, mit Hilfe neuer Software-Lösungen und Technologien die Prozesse zu vereinfachen und zu standardisieren. Aus diesem Grund ist die Digitalisierung im Treasury keine Revolution, sondern eher eine Evolution, die in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat.

 

Frage 5: Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach die Devisenmärkte?

Experten gehen davon aus, dass die aktuellen geopolitischen Entwicklungen (Handelsstreitigkeiten, der ungewisse Ausgang des bevorstehenden Brexits usw.) und die rekordhohen weltweiten Schulden nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu anhaltend hohen Volatilitäten an den Devisenmärkten führen könnten. Im Weiteren dürfen wir gespannt sein, welche Möglichkeiten uns die neuen Technologien – zum Beispiel blockchain – eröffnen, um weitere Optimierungen vornehmen, aber auch neue Lösungen für unsere Kunden und Rieter umsetzen zu können.

Das Thema Fremdwährung war, ist und wird immer ein wichtiger Bestandteil in der finanziellen Führung eines Unternehmens sein.

 

Thomas Stäubli an der FX-Dialog-Frühstücksveranstaltung. Melden Sie sich kostenlos zu unserer ersten Frühstücksveranstaltung am 29. November 2018 an. Wir würden uns freuen, mit Ihnen dort persönlich in den Dialog treten zu dürfen.