KMU: Keine Angst vor Währungsrisiken

In einem aktuellen Artikel in der Fachzeitschrift Expert Focus (Ausgabe 2018/8) konnten wir kürzlich unsere Sicht und eine aktuelle Auswertung zum Thema Währungsrisikomanagement bei KMU darlegen. Bei dieser Gelegenheit stellen wir die wichtigsten Erkenntnisse vor.

Das Thema Währungsrisikomanagement scheint bei KMU mit grossen Vorbehalten behaftet zu sein. Aus unserer Sicht ist dies der Komplexität der Materie bzw. dem zu starken Fokus auf für sie unverständliche Finanzprodukte geschuldet. Eine integrierte Betrachtung des Währungsrisikomanagements als Teil der finanziellen Führung und ein strukturiertes Vorgehen schaffen hier allerdings Abhilfe.

Dies zeigt sich exemplarisch bei einer Umfrage mit Unternehmen in der Medizinaltechnik-Branche, welche wir dank der Branchenorganisation «Medical Cluster» (heute «Swiss Medtech») durchführen konnten. Die Wichtigkeit der auch schon an anderer Stelle angedeuteten integrierten Betrachtung, insbesondere die Berücksichtigung von indirekten FX-Risiken, zeigt sich hier deutlich. Indirekte FX-Risiken werden von den befragten Unternehmen als bedeutender eingestuft als direkte Währungsrisiken, wobei die Unternehmen auch von letzteren stark betroffen sind (siehe untenstehende Abbildung). Die Ermittlung des indirekten FX-Exposure bedingt eine fundierte Analyse des Geschäftsmodells. Eine solche Analyse sollte immer der Startpunkt bei der Definition einer Absicherungsstrategie bilden und nicht mögliche Absicherungsinstrumente.


Quelle: Affolter B., Capaul D. und Vettiger P. (2018). Integrales Währungsrisikomanagement bietet Chancen für KMU. Expert Focus, 2018/8, 546-552.

Bei der Definition der Absicherungsmassnahmen geht es ebenfalls nicht zwingend um Finanzinstrumente. Solche Instrumente sind zwar geeignet die Volatilität der Cash Flows zu reduzieren, in der langen Frist müssen jedoch vor allem strategische Massnahmen getroffen werden. Dies zeigt sich wiederum bei den befragten Unternehmen (siehe untenstehende Abbildung), welche den Währungsrisiken hauptsächlich mit strategischen Massnahmen und kaum mit Finanzprodukten begegnen. Interessant ist dabei, dass die getroffenen strategischen Massnahmen nicht ausschliesslich Währungsangleichungen (wie bspw. Verlagerung Produktion) und Kostensenkungen beinhalten. Die wichtigste Einzelmassnahme stellt nämlich die «Investition in Innovation» dar, was letztlich gerade das Gegenteil von Auslagerungen ins Ausland und Kostensenkungen bedeutet. Die jeweils konkret passende strategische Massnahme hängt somit direkt vom Geschäftsmodell ab. Wir haben dies an anderer Stelle ebenfalls bereits ausgeführt.


Quelle: Affolter B., Capaul D. und Vettiger P. (2018). Integrales Währungsrisikomanagement bietet Chancen für KMU. Expert Focus, 2018/8, 546-552.

Die letztlich entscheidende und oft vernachlässigte Frage ist jene nach dem Ziel des Währungsrisikomanagements. Geht es primär um die Margensicherung, die Verhinderung von Verlusten oder um den langfristigen Unternehmensfortbestand? Meist ist es eine Kombination von verschiedenen Zielsetzungen, wie es auch bei den Unternehmen der Medtech-Branche zu beobachten ist (siehe Abbildung).


Quelle: Affolter B., Capaul D. und Vettiger P. (2018). Integrales Währungsrisikomanagement bietet Chancen für KMU. Expert Focus, 2018/8, 546-552.

Für KMU bedeutet dies letztlich, dass sie die Angst vor dem Thema ablegen dürfen. Die Formulierung einer Absicherungsstrategie muss nämlich ganz in ihrer Sprache in Abhängigkeit der strategischen Positionierung und des Geschäftsmodells erfolgen. Wenn am Ende doch Finanzprodukte zur Absicherung von kurz- bis mittelfristigen Währungsrisiken eingesetzt werden, verstehen die KMU auch weshalb.

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