Herausforderungen im Umgang mit Währungsrisiken

In diesem Blog haben wir bereits viel über Währungsentwicklungen und das Absichern von Währungsrisiken geschrieben. Heute befassen wir uns mit den wichtigsten Herausforderungen bei der Umsetzung von Währungsrisikomanagement im Unternehmen. Hier die aus unserer Sicht wichtigsten:

Prognostizierbarkeit: Im Zentrum des Währungsrisikomanagements steht die Steuerung von zwei Unbekannten: Zukünftige Wechselkurse und zukünftige Cash-Flows. Die Möglichkeit der Prognostizierbarkeit der zukünftigen Wechselkurse haben wir an anderer Stelle bereits besprochen. In der Praxis stellen wir aber immer wieder fest, dass auch die Bestimmung der erwarteten zukünftigen Cash Flows mit grosser Unsicherheit behaftet ist, gerade bei zunehmenden Zeithorizont. In diese Analyse muss meist relativ viel Zeit investiert werden.

Accounting versus Market View: Eines der Ziele des Währungsrisikomanagements kann es sein, Volatilitäten der in die funktionale Währung des Unternehmens umgerechneten zukünftigen Cash-Flows zu reduzieren. Dabei gilt es das Währungsrisikomanagement sowohl aus einer buchhalterischen wie auch aus einer ökonomischen Sicht zu betrachten. Die beiden Sichtweisen kollidieren meistens und es muss eine unternehmensspezifische Lösung gesucht werden. Generell gilt es, der Diskussion um die eigentlichen Ziele des Währungsrisikomanagements genügend Raum einzuräumen.

Systemlandschaft: Zur Unterstützung des Währungsrisikomanagements ist eine integrierte systemtechnische Lösung empfehlenswert. Dabei sind insbesondere Applikationen für die Bestandesführung, Liquiditätsplanung und Transaktionserfassung zu nennen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stellen solche Investitionen vor grosse Herausforderungen und es gilt jeweils einen optimalen und angepassten Stand an Systemabdeckung und –integration zu finden.

Im Rahmen einer Best-Practice-Study von IFBC wurden Industrieunternehmen daraufhin untersucht, inwieweit es den Unternehmen gelingt, diesen Herausforderungen aktiv zu begegnen. Dabei lassen sich folgende Haupterkenntnisse festhalten:

Fehlende Messung der Absicherungsperformance bei selektiven Absicherungsstrategien: Regelgebundene Absicherungsstrategien sind aus theoretischer Sicht (mangelhafte Prognostizierbarkeit der Wechselkurse) die einzig sinnvolle Strategie. Demgegenüber weisen selektive Absicherungsstrategien den Vorteil auf, dass sich Marktopportunitäten wahrnehmen lassen. Dabei kann die Absicherungsquote basierend auf Wechselkurserwartungen, Risikotragfähigkeit sowie Zinskosten von Devisenterminkontrakten festgesetzt werden. Handlungspotential wird insbesondere bei der Messung der Absicherungsperformance bei Unternehmen mit einer selektiven Absicherungsstrategie gesehen.

Handlungsbedarf beim Management des CTA: Mithilfe einer FX-Sensitivitätsanalyse lässt sich das strukturelle Bilanzrisiko messen oder die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung bestehender financial covenants bestimmen. Nur wenige der untersuchten Unternehmen analysieren indes die FX-Sensitivität des CTA und des Eigenkapitals mit einer Value-at-Risk-Analyse. Dasselbe Bild zeigt sich bei der Absicherung von in Fremdwährung gehaltenem Nettovermögen. Nur vereinzelt ist eine solche Absicherung vorgesehen. Dabei muss nicht zwingend eine vollständige Absicherung angestrebt werden. Die Absicherungsstrategie kann sich bspw. auf das Eigenkapital in der Höhe der erwarteten Dividendenzahlungen von Tochtergesellschaften in Fremdwährung konzentrieren.

Applikationen unterstützen den Währungsrisikomanagementprozess: Bei den untersuchten Unternehmen zeigt sich, dass mit zunehmender Grösse vermehrt in die Systemlandschaft investiert wird. Bei kleineren Unternehmen kommt demgegenüber Excel für die Bestandesführung sowie Liquiditätsplanung zur Anwendung. Darüber hinaus handeln diese Unternehmen ihre Absicherungsinstrumente meist über ein E-Banking-Tool, anstatt sich (kostenloser) Handelsplattformen zu bedienen.