Lassen sich Wechselkurse prognostizieren?

Bereits an anderer Stelle in diesem Blog haben wir uns mit Wechselkursprognosen auseinandergesetzt. Dabei haben wir festgestellt, dass die Wechselkursprognosen verschiedener Prognoseinstitute eine sehr breite Streuung aufweisen. Damals wurde jedoch die Prognosequalität nicht untersucht. Dies holen wir in diesem Blog nach, indem wir die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Beat Affolter, Manuel Danzeisen und Andrea Möhr (ZHAW School of Management and Law) zeigen. Diese sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift «Die Volkswirtschaft» veröffentlicht und können als ziemlich ernüchternd gewertet werden.

In der Untersuchung wurden die Währungspaare EUR/CHF und USD/CHF für den Zeitraum 2006 bis 2017 analysiert. Dabei wurden jeweils die Prognosen per 30. Juni (+/- 15 Tage) für die nächsten 3, 6, 9 und 12 Monate erfasst. Im Durchschnitt umfasste die Stichprobe pro Prognosefenster 36 bis 37 Prognosen von verschiedenen Marktakteuren. Insgesamt lagen der Studie 1‘575 Prognosen für das Währungspaar EUR/CHF bzw. 1‘639 Prognosen für das Währungspaar USD/CHF vor.

Aus der Studie lassen sich zwei Haupterkenntnisse ziehen. (1) Die aggregierten Marktprognosen schneiden im Durchschnitt (Median) für beide Währungspaare schlechter ab als rein passive Indikatoren wie Kassa- oder Terminkurse. Eine Ausnahme bilden die 3-Monatsprognosen. Bei diesen Prognosen sind die Unterschiede zwischen den Prognosen und den Kassa- bzw. Terminkursen minim. (2) Im Mittel gelang es den Prognoseinstituten nicht, die Richtung der Wechselkursentwicklung vorherzusagen. Dies wird mit der folgenden Abbildung verdeutlicht.

Von 408 Prognosen für das Währungspaar EUR/CHF für die nächsten 3 Monate stimmte bei nur 155 Prognosen (38%) die Richtung der Wechselkursentwicklung. Bei den 12-Monatsprognosen ist die prozentuale Trefferquote bzgl. der Wechselkursentwicklung leicht höher (45%).

Basierend auf den Erkenntnissen der Studie kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass man sich im Währungsrisikomanagement nicht auf Wechselkursprognosen abstützen sollte.