Die US-Zinserhöhung hat direkte Konsequenzen für die USD-Absicherung

Zentralbanken gehören zu den wichtigsten Akteuren auf den Finanzmärkten. Zu ihren Hauptaufgaben gehört nebst der Aufrechterhaltung eines funktionierenden Zahlungssystems die Umsetzung einer zielgerichteten Geldpolitik. Im Fall der US Zentralbank umfassen die Ziele der Geldpolitik insbesondere einen hohen Beschäftigungsstand und Preisniveaustabilität. Als Instrument zur Umsetzung der Geldpolitik steht der US-Zentralbank vor allem die Festsetzung der Federal Funds Rate zur Verfügung. Die Federal Funds Rate entspricht dem Zinssatz, zu dem Banken einander über Nacht Geld leihen. Dabei handelt es sich um überschüssige Guthaben bei der Federal Reserve (US Zentralbank, „Fed“), um die Mindestreserveanforderungen zu erfüllen. Die Federal Funds Rate ist einer der wichtigsten Zinssätze der US-Wirtschaft. Sie wird durch die Mitglieder des Federal Open Market Committee („FOMC“) acht Mal in Jahr festgelegt (bestätigt oder verändert).

Im Zuge der 2007/2008 akuten Finanzkrise hat die Fed die Federal Funds Rate von 5.25% auf 0.125% reduziert. Im Gleichschritt haben auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Zinssätze nach unten angepasst. Als eine der ersten Zentralbanken seit der Finanzkrise hat die Fed ihren Leitzins dann 2015 wieder um 25 Basispunkte («BP», ein BP entspricht 0.01%) erhöht. In den Jahren 2016 und 2017 folgten weitere insgesamt vier Zinsschritte von je 25 BP. Die letzte Zinserhöhung der Fed folgte im März 2018 auf 1.625%. In der Schweiz hat die SNB bislang von solchen Schritten abgesehen.

Was bedeutet dies für die Absicherung von USD-Cash-Flows für Schweizer Unternehmen?

Zunächst bedeutet diese Entwicklung bloss, dass die USA ein nominal höheres Zinsniveau aufweisen als die Schweiz. Das heisst, eine Anlage in USD führt zu einer nominal höheren Verzinsung im Vergleich zum CHF. Dies ist an sich auch nicht aussergewöhnlich, hat doch die Schweiz auch historisch betrachtet ein (nominell) tieferes Zinsniveau als die USA. 

Die Tatsache, dass die Fed ihre Zinsen erhöht hat, die SNB aber sogar weiter bei der aktuellen Negativverzinsung bleibt, hat aber auch direkte Konsequenzen für die Unternehmen, welche USD-Positionen absichern wollen. Dies deshalb, weil bei einer Absicherung am Devisenmarkt (z.B. über Forward-Kontrakte) die Zinsdifferenz zwischen zwei Währungsräumen entscheidend für die gestellten Forward-Preise sind.

Diese Zinsdifferenz lässt sich direkt als „Absicherungskosten“ für USD-Cash-Flows interpretieren. In den letzten 17 Jahren lagen die „Absicherungskosten“ bei rund 1.5% p.a. Aufgrund der erhöhten Zinsdifferenz haben sich diese nun auf über 3% p.a. erhöht. Dies bedeutet, dass ein Unternehmen heute für ein Termingeschäft in einem Jahr ziemlich genau den heutigen Kurs abzüglich 3% (plus Bankmargen) angeboten erhält.

Es ist zudem zu erwarten, dass die Zinsdifferenz und somit die „Absicherungskosten“ im USD noch weiter zunehmen werden. Für das laufende Jahr erwarten die Mitglieder des FOMC zwei weitere Zinsschritte. Die erwarteten Zinsschritte werden im sogenannten „Fed’s Dot Plot“ zusammengefasst. Aus diesem geht hervor, dass für das Jahresende 2019 im Durchschnitt ein Federal-Funds-Rate-Niveau von 2.9% erwartet wird und für das Jahresende 2020 von 3.4%.

Welche Bedeutung hat dies für die Absicherung von USD-Cash-Flows für Schweizer Unternehmen? Bei der Bestimmung des Absicherungshorizonts bzw. einer auf den Absicherungshorizont abgestimmte Absicherungsquote sollen die „Absicherungskosten“ mitberücksichtigt werden. Dabei ist indessen nicht auszuschliessen, dass der USD weiter an Wert verlieren wird. Dies ist die langfristige ökonomische Konsequenz von höherer nomineller Verzinsung. Im nächsten FX-Blog werden wir dieses Thema weiter abtiefen.