EUR/CHF – Heute & Morgen

Erstmals seit der Aufhebung des EUR-Mindestkurses hat das Währungspaar EUR/CHF im Jahr 2017 eine starke Bewegung erlebt. Der Schweizer Franken hat sich gegenüber dem Euro um rund 8% abgewertet. Damit haben die meisten Finanzinstitute nicht gerechnet. Zu Jahresbeginn lag die durchschnittliche EUR/CHF-Jahresendprognose bei rund EUR/CHF 1.10. Dies hätte einer Abwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro von nur knapp 3% entsprochen.

Die starke Aufwertung des Euros seit Mai 2017 hat hauptsächlich zwei Gründe: Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich sowie die Ankündigung der EZB, ihr Anleihekaufprogramm zu drosseln. Mit der Wahl von Emmanuel Macron sehen die Finanzmärkte das politische Risiko eines Euro-Austritts eines Mitgliedslandes reduziert. Dieser Wahlsieg hat zudem die EZB in ihrem Vorhaben bestärkt, eine Drosselung ihres Anleihekaufprogramms anzukündigen. Die EZB reduziert ab Januar 2018 ihr Kaufprogramm auf monatlich EUR 30 Mrd. und setzt es bis September 2018 fort.

Trotz der Aufwertung des Euros und der Ankündigung der EZB behält die SNB ihre expansive Geldpolitik unverändert. Die SNB beurteilt den Schweizer Franken weiterhin als überbewertet und bleibt bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv. In den letzten zwei Jahren musste sie hauptsächlich stark rund um den Brexit, den Präsidentschaftswahlen in den USA und im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Frankreich am Devisenmarkt intervenieren (siehe Abbildung).

Wie sehen die Erwartungen für das Jahr 2018 aus? Die Marktteilnehmer erwarten eine weiterhin expansive Geldpolitik der SNB und eine restriktivere der EZB. Entsprechend prognostizieren ausgewählte Finanzinstitute eine weiterhin fortschreitende, leichte Abwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro im Jahr 2018 und ein Niveau zwischen EUR/CHF 1.16 bis EUR/CHF 1.18 im Durchschnitt. Die Risiken für dieses Szenario liegen in den wiederaufkeimenden politischen Unsicherheiten in Europa (bspw. die Wahlen in Italien im März 2018).